Gender Mainstream
Unterschiedliche Arbeits- und Lebensbedingungen von Männern und Frauen
In den letzten Jahren wird zunehmend Kritik an Maßnahmen des betrieblichen Arbeitsschutzes und des betrieblichen Gesundheitshandelns dahingehend laut, dass bei der Planung und Umsetzung betrieblicher Gesundheitsförderungsmaßnahmen geschlechtsspezifische Differenzen in den beruflichen Belastungen und Bewältigungsnotwendigkeiten nicht bedacht (Geschlechterinsensibilität) bzw. männliche Verhaltensweisen, Lebens- und Arbeitsbedingungen als Norm gesetzt werden (Androzentrismus). Insgesamt wird festgestellt, dass arbeitsbedingte Risiken für die Sicherheit und Gesundheit bei Frauen bislang vielfach unterschätzt und Erforschung und Gegenmaßnahmen vernachlässigt werden.
Es ist als alarmierend einzustufen, wenn das Rentenzugangsalter für Erwerbsminderungsrenten von Frauen 1996 bei 51 Jahren, von Männern bei 52,6 Jahren lag – und zwar mit steigender Tendenz: 2004 lag es für Frauen bei 49,1, für Männer bei 50,2 Jahren. Gleichzeitig zeigt eine Studie am Beispiel von 325 Betrieben in Baden-Württemberg, dass nur 2,8% der in die Studie einbezogenen Unternehmen eine geschlechterspezifische Gesundheitsförderung praktizieren. Und: Immer noch 30% der in die Untersuchung einbezogenen Betriebe hatten überhaupt keine Gefährdungsbeurteilungen.
Fakt ist: Arbeitswelt, Arbeitsleben und Arbeitsbedingungen von Frauen weisen im Vergleich zu denen von Männern erhebliche Unterschiede auf: Frauen sind bei der Arbeit vielfach anderen Belastungen ausgesetzt als Männer. Sie reagieren aufgrund anderer biologischer Voraussetzungen, aber auch aufgrund anderer Verhaltensweisen und Einstellungen anders auf Anforderungen und Belastungen als Männer:
Aus diesem Grund empfiehlt z.B. der Fehlzeitenreport 2007: „ ... zukünftig in der betrieblichen Präventionsarbeit … stärker geschlechtssensibel vorzugehen. Vieles spricht dafür, dass sich die Qualität und Wirksamkeit von Prävention und Gesundheitsförderung verbessern lässt, wenn geschlechtsspezifische Unterschiede berücksichtigt werden“ . (B. Badura et al: Fehlzeiten-Report 2007. Zahlen, Daten, Analysen aus allen Branchen der Wirtschaft. Arbeit, Geschlecht und Gesundheit. Geschlechteraspekte im betrieblichen Gesundheitsmanagement. Heidelberg 2008, S. VI) |
Das Projekt BeginnRegio legt bei der Umsetzung daher einen Schwerpunkt auf den Einbezug von frauengeführten Kleinunternehmen und auf Kleinbetriebe, in denen ein überproportional hoher Anteil an Frauen beschäftigt ist, um hier zielgenaue Instrumentarien und Interventionspfade zu entwickeln. Es werden auf eigenen betriebsbezogenen Recherchen und Studien basierende Beispiele guter Praxis erarbeitet. Die Ergebnisse werden im Rahmen von Projektveröffentlichungen vorgestellt.
